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“American Heartbreak” review

Ein Bild des Künstlers Zach Bryan mit seiner Gitarre beim Live-Spielen

“American Heartbreak” review

Diese Rezension wird polarisieren. 

 

Warum? Weil unsere Wahl für das beste Album 2022 auf eine Country-Scheibe gefallen ist. Lassen wir das erstmal kurz sacken…

 

Okay – jetzt, wo wir unsere Vorurteile wieder weggesteckt haben und offen gegenüber Neuem sind, möchten wir dir gerne Zach Bryan und sein monumentales Album „American Heartbreak“ vorstellen. Monumental ist die Platte übrigens wortwörtlich mit 34 Songs. Aber auch die Qualität der Produktion und was das Album erreichen konnte, wollen wir nicht außer Acht lassen. Schauen wir uns Zach und seine Musik deshalb einfach Schritt für Schritt an.

 

Zach ist jung, und zwar sehr jung. 1996 in Japan geboren und dann in Oklahoma aufgewachsen, trat er zuerst in die Fußstapfen der Bryan-Männer vor ihm und diente acht Jahre lang in der US-Marine. Erst vor kurzem wurde er ehrenhaft entlassen – und dafür gab es auch einen guten Grund. Schließlich muss Zach sich ab sofort voll und ganz seiner Karriere als aufstrebender Songwriter widmen.

 

Wie es dazu kam? Ganz einfach und ganz unerwartet. Obwohl eine echte Musikkarriere lange Zeit nur ein Traum war, nahm Zach an den meisten Abenden die Gitarre in die Hand und feilte an seinen Songs, bis sie perfekt waren. Er sang für seine Freunde, seine Kameraden, für jeden, der in der Nähe war. Aus purer Leidenschaft, einfach so. 2017 startete er einen YouTube-Kanal, auf dem er die unbearbeiteten iPhone-Videos seiner Kameraden hochlud und seine Auftritte so vorerst mit einem sehr begrenzten Publikum teilte.  

 

2019 sorgte dann plötzlich eine Aufnahme von „Heading South“ für Aufsehen. Man kann es nicht anders sagen: Das Video ging viral. Mittlerweile hat es 18 Millionen Aufrufe und ist so roh und ehrlich wie Zach selbst. Außerhalb eines Stützpunktes in einer schwülen Sommernacht (35°C) gedreht, zeigt es uns einfach einen Mann mit seiner Gitarre, extrem talentiert und sehr verschwitzt!

 

Seitdem hat Zach jeden großen Vertrag abgelehnt, der ihn zum nächsten Country-Star-Klischee machen wollte. Make-up, teure Klamotten, aufwendige Nachbearbeitung, großes Publikum, immer wieder die gleichen Texte und Themen. Diesen Zirkus wollte Zach vermeiden, da er ganz wesentlichen zum Niedergang des Genres beigetragen und eine Hassliebe für Country hervorgerufen hat (in Europa sogar leider eher Hass als Liebe).

 

Und währenddessen eilte ganz unerwartet die Generation Z herbei, um die Uhr 70 Jahre zurückzudrehen und Country zu retten. Oder zumindest Zach! Sie feierten „American Heartbreak“ – ein Album, das oft Easy Listening ist und auch keine Angst vor Pop-Momenten hat (die sich in diesem Fall verdammt gut, echt und nie repetitiv anfühlen). So ist Zach in einer von überproduziertem Studio-Pop gesättigten Welt plötzlich der „Lonesome Cowboy“, der sich treu bleibt und dadurch immer mehr Schwung holt. Bescheiden, selbstironisch und voller Energie – so überbrückt er die Grenzen zwischen den Generationen. Und vielleicht auch zwischen den Genres.

 

Seine Texte sind emotional, tiefgründig, bodenständig und nachvollziehbar. Selbst, wenn er die Totempole des Country-Lifestyles bemüht, wirkt es immer zeitgemäß statt idealisiert. Zudem erwarten den Hörer zwischen den diversen Liebesliedern und Whiskey-Oden auch einige Überraschungen – von „Billy Stay“ (das liebevoll und mit viel Fingerspitzengefühl die Alzheimer-Krankheit thematisiert) bis „The Road I Know“ (Ist das ein Roadtrip? Ist das ein Traum? Oder doch mehr?).

 

Keine Frage: Bei einer Scheibe mit 34 Titeln wussten wir gleich, dass dies keine lückenlose Rezension wird. Sollten wir es dennoch geschafft haben, dir Lust auf „American Heartbreak“ zu machen, ist unser Job erledigt. Wenn nicht, ist das natürlich auch okay. Du findest uns beim Lasso üben oder am Lagerfeuer mit einem kalten Bier (und einer Gitarre), wenn du so weit bist.

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